Zwei künstlerische Mitmachbaustellen:
Am 17. Juli 2026 haben wir vor dem Fachbereich Gestaltung in Bielefeld den Bau des zweiten, temporären Ausstellungs-Shelter begonnen.
Auf Basis von vier Euro-Paletten, Abfallholz und geschenkten Solarmodulen stand er halbfertig, modellhaft nach drei Tagen für die Werkschau öffentlich bereit. Von Freitag, 24. bis Sonntag, 26. Juli 2026 wurden dort dokumentarische Fotos und ein Video zum dauerhaften Shelter-Projekt in Rietberg gezeigt...
Am 2. Mai 2026 startete unsere erste Shelter-Mitmachbaustelle beim Hofprojekt "Ecosphere". Wie der Shelter gewachsen ist, orientiert am Standard-Bauplan des dänischen Umweltministerium für das "Shelter-Modell Small 7.1", könnt ihr im Bautagebuch nachlesen.
In den 2 1/2 Monaten wurden viele lokale und gefundene/geschenkte Ressourcen (wie Holz) wieder/weiter genutzt. Bei den Kaffeepausen an der Shelter-Baustelle ergaben sich unter anderem Gespräche über Fernradreisen, Wanderungen und die persönliche Ausrüstung dabei.
Der "Living Forest" des Ecosphere e.V. ist ein gemeinschaftlich betreuter und genutzter Ort, der ein großer Waldgarten mit essbaren Pflanzen werden soll, in dem aber auch Workshops und Kulturveranstaltungen stattfinden. Er liegt idyllisch im Grünen, am regionalen Radweg "Fröhliche Landpartie", zwischen dem europäischen Fernradweg Eurovelo 2 und dem Emsradweg ("Vom Sennesand zum Nordseestrand").
Wie solche Baustellen aussehen können, zeigt auch der beeindruckende Videobericht des NDR aus Bargum in Schleswig-Holstein:
Im Auftrag und unterstützt durch die lokale Kommune hat die Landjugend mit Unterstützer*innen in 72 Stunden einen öffentlichen Trekkingplatz mit zwei Shelter-Hütten verwirklicht...
Gerne möchte ich nach dem erfolgreich bestandenen Master-Studium weitere künstlerische Shelter-Projekte mitgestalten, und diese danach als kostenlos nutzbare, multifunktionale Orte öffentlich zur Verfügung stellen.
Wenn ihr als dritter Ort, Kommune oder private Initiative einen geeigneten Ort habt, und eventuell sogar wieder nutzbare Materialien oder ein Budget für künstlerische Gemeinschaftsprojekte, dann meldet euch gerne per Email via shelter[at]apgw.de oder per Direktnachricht im Fediverse bei https://fedifreu.de/@shelter.
2.-4. Mai 2026
Die erste gemeinschaftliche Bauphase der Shelter-Mitmachbaustelle hat gut geklappt! Vielen Dank an die Mit-Künstler*innen und an Ecosphere für die freundliche Aufnahme.
Holz-Arbeit
Zu Beginn hatten wir fachkundige Unterstützung bei der Auswahl der lokal an verschiedenen Lagerstellen vorhandenen, alten Balken. Transporte haben wir teils mit motorisierten Fahrzeugen gemacht, teils mit einem multifunktionalen Handwagen/Fahrradanhänger. Manchmal arbeiteten wir arbeitsteilig: Fundamentsteine legen, Holzauswahl, Schraubeneinkauf...
Zwischendurch diskutierten wir nächste Schritte und Art der Umsetzung. Besondere Erkenntnis: Margarine hilft beim Bohren von dicken Balken.
Care-Arbeit
Ein kleineres Residency-Kernteam zeltete vor Ort und erprobte vorhandene und mitgebrachte Infrastruktur. Leckerer Kaffee wurde aus frisch gemahlenen Bohnen zubereitet, auf einem Kocher, der nur für Kaffee nutzbar war. Das Nudeln-Kochen auf offener Flamme in einer Feuerschale klappte erstaunlich gut. Wie bei der dazu gereichten Tomatensauce haben wir sie mit selbst ersägten Holzresten als Brennstoff gekocht.
Wetter
Das Wetter war größtenteils auf unserer Seite: Angenehme Temperatur und nur wenige Regentropfen tagsüber. Eine Windböe warf einmal unseren blau-blumigen Sonnenschirm samt Campingtisch um. Abends konnten wir das Wetterleuchten eines Gewitters beobachten, das uns aber erspart blieb. In einer Nacht gab es einen kurzen Regenschauer.
15.-17. Mai 2026
Vor-Arbeit
In den Tagen zuvor suchte ich nach potentiellen Dachbrettern und nahm Kontakt mit Unternehmen auf: Ein Traditionsreiches aus der Bielefelder Fahrradbranche spendete lange Einwegpaletten, die ich zerlegt und per Fahrradanhänger zu einem Lagerplatz bei mir gebracht habe.
Das zweite Bauwochenende begann am Freitagnachmittag mit einer Fahrradanreise: "Von der Kunsthalle zur Kunstbaustelle". Die 25 Kilometer lange Strecke führt erstaunlich oft über Nebenstraßen und kleine Wege. Trotz einiger Bodenwellen war sie auch mit dem geliehenen Bisala-Lastenrad gut zu bewältigen. Zeltaufbau und kurze Fahrradtour zur Pizzeria klappten just in time bevor ein Regenschauer losging.
Holz-Arbeit
Dieses Mal waren zwei neue Helfende dabei, die zu Beginn erfolgreich Hilfsbalken für die Seitenverbretterung mit großen Gewindestangen anbrachten. Die langen Dachbretter kamen per PKW aus Bielefeld, mit einer Palette als improvisiertem Dachgepäckträger. In Fleißarbeit wurden sie entnagelt. Ein Zweierteam brachte sämtliche Rahmen für die Seitenverbretterung an und meisterte die herausfordernde Aufgabe, die ersten Dachsparren anzubringen und damit das Höhenmaß für alle festzulegen. Alle Sparren haben unterschiedliche Maße, da wir mit wiedergenutztem Holz arbeiten. Die individuellen Ausklinkungen haben wir auch mit einer Akkukettensäge bewältigt und den Sonntag mit einem Mini-Richtfest abgeschlossen.
Care-Arbeit
Wir haben wieder gezeltet. Diesmal hatten wir einen Spiritus-Kocher dabei und haben auf das Kochen im offenen Feuer verzichtet... Zum Glück, denn ein abendliches Feuer entpuppte sich als Nebelmaschine. Bei Ankunft war die Feuerschale ein See und das darunter gelagerte Holz ziemlich nass. Bei einer gemeinsamen Einkaufstour erkundeten wir Rietberger Supermärkte, insbesondere auf der Suche nach alkoholfreiem Bier. Bei der Abreise haben wir noch am Biogemüseacker im Living Forest Mangold und Spinat für das heimische Abendessen vom Beet geerntet und gekauft.
Wetter
Bislang haben wir erstaunlich viel Glück mit der Auswahl der Bauwochenenden. In den zwei Wochen dazwischen gab es fast keinen Tag ohne Regen, und es sind ca. 80 Liter pro Quadratmeter gefallen. Zu Beginn war es diesmal zwar recht kalt und windig, aber von größeren Regenschauern blieben wir verschont.
29.-31. Mai 2026
Vor-Arbeit
Zur Gewinnung von 1,20 Meter langen Bodenbrettern aus defekten Europaletten nahm ich Kontakt zu einem größeren Fahrradunternehmen im nahen Verl auf. Die dortige Altholzmulde hatte ich bei der Fahrradanreise zur Baustelle entdeckt. Die Firma fand eine als künstlerisches, nahes Projekt nachhaltig gebaute Schutzhütte für Radreisen eine gute Idee. Ich durfte eine PKW-Anhängerladung Paletten aus einem sehr großen Altholz-Container heraussuchen und habe sie mit einem geliehenen Fahrzeug zum Shelter transportiert.
Holz-Arbeit
Am Samstag besprachen wir die anstehenden Tätigkeiten und mögliche Umsetzung. Anstrengende Fleißarbeit war das (möglichst schonende) Zerlegen der schon teilweise kaputten Paletten. Diverse Hämmer kamen zum Einsatz, aber auch Nageleisen, Hebeltechniken und Nutzung des Körpergewicht spielten eine Rolle. Heile Bretter wurden von uns entnagelt und später an einem beeindruckenden elektrischen Hobeltisch am Ecosphere-Hof in einer Spätschicht einseitig gehobelt.
Weniger kraftraubend war das Ausrichten und Festschrauben langer Bretter auf den Dachsparren. An der Rückseite des Shelter ist die Dachfläche schon fertig verbrettert.
Fast schon entspannend war das Anbringen eines letzten Stück Hilfsrahmen für eine verlängerte Seitenverbretterung zur westlichen Wetterseite. Dabei wurden zwei sehr alte, 2 cm dicke Scheunenschrauben und ein Reststück Scheunenbalken erneut genutzt.
Care-Arbeit
Am ersten Abend wurde sogar im Shelter geschnibbelt und gekocht, aber eher unfreiwillig, aufgrund der (Un-)Wetterlage. Der Spirituskocher schien Vorteile im Vergleich zum recht punktuell brennenden Gaskocher zu haben.
Für eine Lebensmittel- und Getränke-Einkaufstour wurde am Samstag ein "Bisela"-Lastenrad genutzt. Es gab aber auch frisch geernteten und an der Shelter-Kante angerichteten Salat, direkt vom benachbarten "Living Forest"-Gemüsegarten. Das abendliche Restholzfeuer diente auch als Glutspender für einen kleinen zweiteiligen Grill, auf dem dann Nudeln gekocht und vegane Bratlinge zubereitet wurden.
Das Zelten hat schon Tradition, aber fast wären die Zelte einem Gewittersturm zum Opfer gefallen...
Wetter Klimakrise
Am Freitag brach ein sandiger Gewittersturm über uns herein: Wir mussten die Vorbereitung des Abendessen unterbrechen, unsere Tarps (schnell!) abbauen und die Zelte am Wegfliegen hindern. Danach haben wir Schutz vor Wind und Regen im Shelter gesucht und gefunden. Das provisorische, mit Spanngurten gesicherte Dach aus Gewebeplane hielt.
Laut "Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen" lag im Frühling 2026 (März bis Ende Mai) "die Durchschnittstemperatur deutlich über sämtlichen Vergleichsperioden".
12.-14. Juni 2026
Vor-Arbeit
Zum Testen der Kantenfräse für Bodenbretter und zum Zeltabbau, habe ich der Shelterbaustelle einen Zwischenbesuch per Mountainbike abgestattet. Ein Impuls, ein Palettenlager aufzuräumen und die Zufälle der Materiallogistik führten dazu, dass die letzten Dachbretter aus Osnabrück zum Shelter kamen.
Ein zur fotografischen Dokumentation genutzter "Raspberry Pi"-Minicomputer hatte leider einen Defekt an der Speicherkarte. Zwischen den Bauwochenenden wurde er auf Ersatzkarte neu installiert und das Script für Zeitrafferaufnahmen an veränderte Kamera-Befehle des moderneren Raspberry-Linux angepasst.
Wieder habe ich ein Bisela-Lastenrad zur öffentlich beworbenen Fahrradanreise geliehen. Zur künstlerischen Mitmachbaustelle wurde dieses Mal nicht nur auf der Webseite und im Fediverse eingeladen, sondern auch mit einer Signal-Story und in einer Telegram-Veranstaltungsgruppe: "In Dänemark ist es Mainstream, hier ist es Subkultur"...
Holz-Arbeit
Am Freitag wurde die Dachverbretterung vorne fertig und die Sparren kurz vor Sonnenuntergang mit der Akkukettensäge abgelängt. Parallel wurden die Längskanten aller gehobelten Bodenbretter rundgefräst und im Rotationsverfahren leere Akkus an unseren zwei alten Solarmodulen mit Autobatterie, Laderegler und Step-Up-Power-Delivery-Buchse und einem USB-C-Makita-Ladegerät "aufgetankt". Fräsen braucht viel Strom!
Am Samstag hat ein 2er-Team die Bodenbretter eingemessen, gesägt, kurze Kanten gefräst und Fertige im Shelter verschraubt. Ebenfalls zu Zweit haben wir an der Vorderseite die Lücken zwischen den Sparren vertäfelt. Im Anschluss daran stellte sich nach einer Weile des Abwägens und Beobachtens und bei klärenden Gesprächen heraus, dass für die Wände vorgesehene Lärchenbretter wohl für ein anderes Projekt benötigt werden. Nach Absprache sind wir auf alte Eichenbohlen umgeschwenkt, die wir in mehreren Touren mit dem Fahrradanhänger-Handwagen zur Baustelle brachten. Erste Seitenbohlen wurden gesägt und angeschraubt. Am Sonntag ging es damit weiter.
Care-Arbeit
Erst wollten wir auf den Aufbau des großen Zelt verzichten und im Shelter übernachten, allerdings ist es schon praktischer, eine freie Baustelle UND einen trockenen Lagerplatz zu haben. Erstmals haben wir ein Tarp für den Pausenbereich genutzt und es etwas windgeschützt zwischen einem Bewässerungsanhänger mit Rohren und dem Shelter gespannt.
Direkt nach der Ankunft wurde dankenswerterweise von einer Person eine Einkaufstour gemacht und neue Getränkekisten, Nudeln und Snacks besorgt. Am Freitag Abend gab es überraschend eine neue Kochmethode zu bewundern: Ein minimalistischer Kleinholz-Reiseofen funktionierte gut, und u.a. mit frischen Möhren aus dem Living-Forest-Selbsterntegarten wurde ein leckerer Eintopf auf offener Flamme zubereitet, und an den Folgetagen auch Kaffee. Samstag gab es das erste mal frische Brötchen, Croissants und Baguette vom nahen Backwarengeschäft in Westerwiehe.
Eine am Nachmittag parallel zu unserer Baustelle stattfindende Geburtstagsfeier in der Kulturscheune ließen wir aus und saßen am Abend erschöpft zum Resteessen am Feuer. Leider wurden wir dabei von einem merkwürdigen Geräusch aufgeschreckt, das nach einem Unfall klang. An einer schwer einsehbaren Kreuzung in der Nähe waren in der Dunkelheit zwei PKW zusammengestoßen. Wir trafen kurz nach Anwohner*innen am Unfallort ein und halfen bei der Betreuung der Unfallbeteiligten, bis Angehörige und Rettungskräfte ankamen. Die PKW haben Totalschaden erlitten, die beteiligten Menschen auf den ersten Blick zum Glück aber nur leichte Verletzungen und einen Schock.
Wetter
Nach einem entspannten Freitag wechselten sich Samstag und Sonntag Sturm, Regen und Sonne ab. Zwischen den Bauabschnitten war es deshalb wichtig, die temporäre Dachabdeckung zusammen gut zu sichern: Mit Spanngurten, Schnur, Brettern und Steinen.
26.-29. Juni 2026
Vor-Arbeit
Zwischen den Mitmach-Wochenenden bin ich zur Baustelle gefahren, um Materiallogistik für den Dachbau zu klären, und habe dann noch eine Seitenwand fertig gebaut.
Ecosphere hat uns EPDM-Folie für das Dach bestellt und gespendet. Kleber dafür schenkten Freund*innen aus Osnabrück.
Am Freitag vor dem Bauwochenende fand die Abholung von gespendetem Gründach-Material mit PKW und Anhänger in Rietberg statt, bei der mehrere Menschen aus dem Ecosphere-Kosmos unterstützten. Eine Palette mit den schweren Pflanzenmatten wurde per Radlader zum Shelter gebracht. Zur Zwischenlagerung haben wir sie am Boden ausgebreitet.
Holz-Arbeit
Zu Beginn des Bauwochenende trafen Helfer*innen mit aus dem Schrott geretteten Bodenblechen ein, die dann neue Dachkanten wurden. Für das Lastenrad waren die etwas zu lang, und es war an diesem Wochenende auch nicht verfügbar. Zuerst wurde eine Lücke der Seitenwand fertig gebaut.
Bei den Dachkanten wurden seitlich Abfall-Kanthölzer eines Metallbau-Unternehmen als Unterkonstruktion verwendet. Vorne und hinten schützt eine Eichenbohle die Sparren vor Regen, und darüber bildet das Blech mit einer Dachlatte Abstand die Tropfkante.
Am Sonntag-Abend war das Dach so weit vorbereitet, dass wir die EPDM-Dachfolie legen und kleben konnten. In einer Nachtschicht haben wir dann noch das Gründach aufgebaut und bei jedem Schritt großzügig gewässert: Hanf-Holzschnitzel-Matten, darauf recycletes Textilvlies, darüber die Pflanzenmatten in Europaletten-Größe. Um 01:27 Uhr waren wir fertig. Ab 5 Uhr morgens gab es größere Gewitterregenschauer.
Am Montag haben wir die Baustelle aufgeräumt und wiederverwendbare Reste zurückgebracht. Nachdem die Dachkanten wieder abgetrocknet waren, konnten wir dann abschließend die EPDM-Kanten zuschneiden und an die Blechkanten kleben.
Care-Arbeit
Eine große Unterstützung waren u.a. die Material-Transporte bei der Anreise zur Baustelle. Auch unsere Infrastruktur setzte sich aus vielen privat mitgebrachten Aufbewahrungsboxen, Werkzeugen, Lampen, Ladestationen, Powerbanks, Kochern, Töpfen, Besteck,... zusammen.
Aufgrund der extremen Wetterlage hatten wir vorher abgeklärt, dass wir den Naturschwimmteich von Ecosphere zwischenzeitlich nutzen können, was wir einmal gemacht haben. Per E-Bike wurden morgens Brötchen und Käse für das Frühstück geholt. Als Abendessen gab es unter anderem frisch vom Beet geernteten Blumenkohl mit Kartoffeln und veganen Schnitzeln. Wieder wurde mit Sägeresten auf dem Mini-Holzofen gekocht.
Wetter Klimakrise
Am Freitag und Samstag war es an der Shelter-Baustelle (im Schatten!) über längere Zeiträume um die 37°C heiß. An diesem Wochenende wurden an zahlreichen Wetterstationen in Deutschland neue Höchsttemperaturen von über 40°C gemessen. Wir mussten längere Pausen einlegen und unsere Kleidung mit Wasser tränken, um einen Kühleffekt zu erzielen. Wegen des von Sonntag auf Montag angekündigten Gewitterregens haben wir einen sehr langen Arbeitstag eingelegt, um die relativ trockenen Pflanzenmatten vor dem Regen auf das Dach zu hieven.
10.-12. Juli 2026
Vor-Arbeit
Zwischen den Bauwochenenden musste eine Masterthesis fertiggeschrieben, ein aktualisierter Führerschein bei der Fahrerlaubnisbehörde, und ein reparierter Volvo mit frischem TÜV aus der Werkstatt abgeholt werden. Am Freitagabend kamen wir deshalb recht spät am Shelter an.
Holz-Arbeit
Am Samstag hat ein 2er-Team die Verbretterung der Rückseite übernommen und letzte Bretter zum Schutz der hinteren Eckpfosten angebracht. Ich habe parallel die vordere Sitzkante weitergebaut und an der Rückseite Lücken zwischen den Sparren mit Eichenresten geschlossen.
Am Sonntag gab es eine spontane Interview-Session. Ein guter Nebeneffekt war, dass wir dabei den Innenraum ausgeräumt haben, wo großer Stoff (vom Sperrmüll) die gehobelten, hellen Bodenbretter schützte. Das 2er-Team von der Rückwand hat dann Schrauben nachgezogen und den Boden mehrfach geschliffen. Zum Schutz vor Schmutz und Nässe wurden die Bretter mit Leinölfirnis gestrichen. Innen und außen im Eingangsbereich haben wir vier große Metallhaken angebracht (auch Sperrmüllfund). Sie können z.B. zum Aufhängen des Rucksack, für eine Wäscheleine oder als Tarp-Aufhängung genutzt werden.
Einen optionalen Zierrahmen aus Lärchenholz haben wir nur vorbereitet, und unter dem Shelter eingelagert. Eine andere Idee wurde spontan umgesetzt: Es gibt nun ein wasserdichtes Minidach und einen Holzrahmen unter der Bank an der Feuerstelle... Ein trockenes Brennholzlager.
Care-Arbeit
Am Freitag Abend waren wir zu erschöpft, um außer dem Nachtlager noch andere Dinge zu bauen. Mit Restholz wurden vegane Würstchen und Schnitzel gegrillt und vorgekocht mitgebrachte Kartoffeln angebraten.
Am Samstag hat eine Person mit dem Baustellenfahrrad Frühstück besorgt. Das Fahrrad wurde Ecosphere geschenkt, es stand herum, und wir haben es dann bei uns geparkt. Es war sehr nützlich um kleine Transporte zwischen Baustelle und Hof zu machen (z.B. Kamera-Akkus aufladen oder Trinkwasser im Kanister holen). Kurz vor Ladenschluss haben wir noch eine gemeinsame Auto-Tour zum Supermarkt und Pizza essen gemacht.
Am Sonntag wurde wieder mit dem Fahrrad bei Bäckerei in Westerwiehe eingekauft. Gegen Mittag kamen Bekannte aus Bielefeld mit dem Fahrrad vorbei. Auch einige andere Leute besuchten uns auf einen kurzen Schnack: Ein Mensch hatte die Bewässerungspumpen am Gemüsebeet repariert, einer mähte den Rasen an der Natursteinmauer der Zeltwiese. Andere waren zum "Berufskraut"-Rupfen da. Späte Gäste kamen u.a. vom Chorkonzert am Hof und inspizierten den fertigen Shelter, der dann als Ziel für ein Abenteuer mit den Enkelkindern auserkoren wurde.
Tatsächlich kam danach noch eine für uns ziemlich anstrengende Phase des Sortierens und Aufräumens, weil wir ja die Baustelle aufgelöst haben. Nicht alles hat ins Auto und auf das Motorrad gepasst.
Wetter
Dieses Mal war es "nur" um die 30°C. Wir haben so weit es ging nicht in der Sonne gearbeitet. Den Sonnenschirm hat es uns nur einmal umgeweht. Geregnet hat es nicht, aber es war Abends spürbar Tau am Boden vorhanden. Am Montag nach unserem Bauwochenende gab es in der Region ein Gewitter mit Starkregen, bei dem im nahen Verl zahlreiche Keller voll Wasser liefen.
17.-26. Juli 2026
Vor-Arbeit
Vieles war notwendig, um an den Punkt zu gelangen, die Werkschau-Präsentation aufbauen zu können:
Eine Projektidee haben, sie mit Hilfe vieler Menschen umsetzen, über Monate Materialien sammeln und immer wieder auch kreatives Improvisieren.
Eine Thesis musste geschrieben und dokumentarische Videos und Fotos aufgenommen, ausgewählt und gedruckt werden. Geschenkte, alte Schalungsplatten für Foto-Plakate und Baustellentagebuch wurden morgens um 6 Uhr auf dem Weg nach Bielefeld an einer Osnabrücker Hausbaustelle geholt.
Das Werkschauteam hat die Ausstellung organisatorisch vorbereitet, sowie Katalog und andere begleitende Medien gestaltet. Eine studentische Mitarbeiterin brachte mir vor der Eröffnung mein Namensschild.
Die letzten nötigen Ressourcen für den Werkschau-Aufbau fanden sich am Tag des Baubeginn in der Hochschule: Die Hochschul-Hausmeister konnten Fundamentsteine und eine Europalette leihen. Zufällig an der Hochschulwiese lagernde Holzhäcksel habe ich dann zum Nivellieren genutzt, um eine Kuhle im Gelände mit dem Shelter zu überbauen...
Holz-Arbeit
Aus Bielefelder Abfallholz haben wir nach meinem 3D-Bauplan erst ein Grundgerüst, dann einen Palettenboden und zuletzt Pfosten und Sparren, für ein Dach aus geschenkten, alten Solarmodulen, konstruiert.
Es versorgte, als 12-Volt-Inselsystem mit Laderegler und alter Blei-Säure-Batterie als Puffer, sowohl die in Schuttcontainern und auf dem Sperrmüll gefundene LED-Beleuchtung für den Eröffnungsabend, als auch den via "Sharing is Caring"-Gruppe gegen eine Cola getauschten, alten Thinkpad-Laptop, der ein dokumentarisches Zeitraffervideo der Ecosphere-Baustelle zeigte.
Nach dem Bau des Ausstellungs-Shelter wurden die Holzplatten für die Plakate an Seilen zwischen Bäume gehängt. Alte Haselnussstangen und Restholz diente als Ständerwerk zur Stützung. Ein Zweierteam plakatierte die Fotos.
Zur Vervollständigung des Trekkingplatz-Gefühl habe ich aus übrig gebliebenen Brettern der Rietberger Baustelle noch eine Bank und eine kleinere Sitzgelegenheit für eine improvisierte Feuerstelle gebaut, die Studierende am Eröffnungsabend auch für ein kleines, geselliges Restholzfeuer nutzten.
Care-Arbeit
In der Nacht vor der Werkschau habe ich testweise im Shelter geschlafen, überwacht von der stündlich vorbeikommenden Nachtschicht der Hochschul-Securities, und so das Außengelände, den Parkplatz und verschiedene Nutzer*innengruppen ganz anders wahrgenommen.
Selten war ich im Studium so früh am Fachbereich Gestaltung und konnte als einer der Ersten in der Cafeteria frühstücken. Deren Mitarbeiter*innen stellen jeden Tag Getränke und vegetarische Speisen bereit.
Als Getränk für Prüfungstag und Werkschau-Eröffnung habe ich alkoholfreien 0,0% Wein besorgt. Für den kleinen Hunger gab es Salzstangen, leckeres Fladenbrot, Gurke, Tomate, Käse und veganen Aufstrich. Nach der Eröffnung verschwanden unter dem Shelter gelagerte Getränke und Lebensmittel, wie eine Dose Kidneybohnen. Für mich und meine Besucher*innen gab es auf der Feuerstelle gekochten Kaffee und zuletzt dort gegrillte, vegane Würstchen.
Ebenfalls viel Arbeit waren nach den Ausstellungstagen der Abbau, der Transport und das Sortieren und Lagern von Werkzeugen und Materialien. Ein geliehenes Fahrzeug musste gereinigt und zurückgegeben werden.
Wetter
Beim Aufbau und der Werkschau-Eröffnung war es draußen gut aushaltbar... nicht zu heiss und (seit viel zu lange) auch kein Niederschlag. Am Sonntag wurde es erst stürmisch und zum Werkschau-Ende und beim Abbau gab es auch kurze Regenschauer.
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